Pakt für Pirmasens
Es gibt in Pirmasens eine nicht geringe Anzahl von Kindern, denen der Zugang zu Bildung erheblich erschwert ist. Nach Schätzungen sind es derzeit mehr als 500 Kinder allein im Alter bis zu 6 Jahren, denen durch mehr oder weniger intensive begleitende erzieherische Hilfen im Vorschulalter zu einem deutlich besseren Zugang zu den vorhandenen Bildungsangeboten bei Erreichen des Schulalters verholfen werden könnte. Die Themen Sprachförderung und Sozialverhalten stehen hier im Vordergrund.
Mag es auch gelingen, für Pirmasens Schulstrukturen zu finden, die eine bestmögliche Förderung erlauben, so löst das dieses Problem nicht, weil hier ein Zusammenwirken vieler Kräfte über die Schule hinaus erforderlich ist, um den Weg zu ebnen.
Aus Gesprächen von Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis mit Mitarbeitern und Unterstützern von Lern- und Spielstuben, mit Lehrern, Sozialpädagogen, Kinderschutzbund und Regenbogen-Kinderhilfe, Kinderheimen, kirchlichen und gemeinnützigen Einrichtungen, die mit diesem Problem befasst sind, ist deutlich geworden, dass es in Pirmasens nicht wenige Kinder gibt, die von ihren Eltern nicht die Unterstützung erfahren, vorhandene Betreuungs- und Förderangebote wahrzunehmen und damit ihre vorhandenen Talente zu fördern und entwickeln.
Wer sich mit den Kindern in den Lern- und Spielstuben unterhält, wird feststellen, welch gewaltiges Potenzial auch in diesen Kindern steckt und welche Talente dort schlummern.
In den Gesprächen mit engagierten Menschen aus diesem Metier ist dem Oberbürgermeister deutlich geworden, welch große Bereitschaft in Pirmasens auf allen gesellschaftlichen Ebenen vorhanden ist, um diesen Kindern zu helfen. Die Pirmasenser Service-Clubs wie Lions und Rotarier engagieren sich seit Jahren für die Lern- und Spielstuben, die Spendenbereitschaft für Kinderschutzbund und Regenbogen-Kinderhilfe ist enorm, das Engagement der oft ehrenamtlichen Mitarbeiter vorbildlich. Auch im Bereich der professionellen Hilfe durch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen des Jugendamts und der kirchlichen Einrichtungen gibt es umfangreiche Hilfsangebote. Die Pirmasenser Kindertagesstätten bieten eine hervorragende Basis. Die allgemeine und spezielle Hilfsbereitschaft, diese Kinder beim Zugang zu Bildung und Ausbildung zu unterstützen, ist groß.
Die Hilfsangebote greifen jedoch oft nur punktuell. Eine Koordination der Hilfsangebote nach Bedarf im Verlauf der ersten Lebensjahre dieser Kinder fehlt. Ebenso wie in vielen Fällen das Interesse und die Kooperationsbereitschaft der Eltern. Staatliche Eingriffe sind hier oft erst möglich, wenn das Kind sprichwörtlich „in den Brunnen gefallen“ ist.
Hilfsmaßnahmen, die dann in einem späten Stadium in Notfällen eingreifen, führen zu immensen Kosten, zum Beispiel bei Heimunterbringungen. Die Stadt Pirmasens wendet für diese Fälle jährlich 3.460.000 (rd. 3,5 Mio.) Euro auf.
Das Problem, auf das Journalisten Herrn Dr. Matheis nach Veröffentlichung bestimmter Statistiken ansprechen und das sich immer wieder eignet, die Schlusslichtposition von Pirmasens zu dokumentieren, wird als das Problem der Kinderarmut beschrieben, mit dem Hinweis, dass 28 % der Pirmasenser Kinder in so genannten Hartz IV- Bedarfsgemeinschaften leben und damit per Definition arm sind.
Das eigentliche Problem ist aber nicht die Kinderarmut, sondern die Tatsache, dass vielen dieser Kinder der Zugang zu schulischer Bildung und damit zu Ausbildung und Beruf durch die Umstände, in denen sie leben, unmöglich gemacht wird. Und das hat nicht immer mit subjektiv empfundener Armut, aber meist mit fehlender Zuwendung und Verwahrlosung zu tun.
Deshalb hat Oberbürgermeister Dr. Matheis Anfang 2008 den „Pakt für Pirmasenser Kinder“ ins Leben gerufen: Damit sollte es gelingen, die vorhandenen Hilfsangebote staatlicher-, kirchlicher- und privaterseits speziell auf die Anforderungen jedes Kindes zu koordinieren und zeitgerecht zu organisieren.
Am 19. Februar 2008 fand das erste Treffen des Runden Tisches statt, an dem sich Vertreter von 18 Verbänden, Vereinen, Institutionen, Kirchen und Parteien beteiligten. Nach rund zweistündiger Diskussion wurde vereinbart, die professionellen Hilfen und Angebote zu erfassen und in die vorgesehene Struktur einzuarbeiten. Weiterhin soll das Potenzial von möglichen Paten festgestellt werden, die bereit sind, in die Betreuung einzusteigen und es soll geklärt werden, in welchem Umfang diese zur Verfügung stehen.
Bei der zweiten Gesprächsrunde am 17. März 2008, die unter der Moderation von Peter Bauer, einem Fachmann für Projektarbeit aus Speyer, stattfand, wurden die ersten Arbeitsgruppen gebildet. Diese beschäftigen sich mit den Themen „Einbindung der Eltern“, „Prozessstruktur“ und „Begrüßung neuer Pirmasenser“.
Bei dem Treffen am 16. Mai 2008 stellten diese Arbeitsgruppen bereits erste Arbeitsergebnisse vor. In Gruppenarbeit wurde sich vertieft darüber ausgetauscht, auf was der Prozess bereits jetzt aufbauen kann. Die derzeit am Projekt beteiligten Personen und Institutionen untersuchten dabei, was bereits jetzt für den Pakt für Kinder getan wird, was in Zukunft noch getan werden muss und welche Rahmenbedingungen es zur Zeit noch gibt, die daran hindern könnten, wirksamer zu werden.
Die Stimmung, die bei allen Treffen herrschte, zeigt, dass es viele Kräfte in Pirmasens gibt, die einen „Pakt für Pirmasenser Kinder“ zum Erfolg führen können und wollen. Immer wieder melden sich Menschen bei Oberbürgermeister Dr. Matheis, die mitarbeiten und sich einbringen möchten. Ihnen allen ist er für Ihr Engagement in diesem wichtigen Thema dankbar.
Wer ebenfalls mitarbeiten möchte, kann jederzeit in das Projekt einsteigen. Es lohnt sich, denn: In jedem Kind sind Talente angelegt, die zur Hoffnung Anlass geben.
„Wir brauchen hier jeden, hoffnungslose Fälle können wir uns nicht erlauben“.
Der Text wurde uns freundlicherweise vom Büro des Oberbürgermeisters der Stadt Pirmasens zur Verfügung gestellt.
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